Jetzt ist schon die zweite Woche ein Team von Expertinnen, d.h. OrgelbauerInnen daran, unsere Orgel zu restaurieren.
Ganz viele Orgelpfeifen sind bereits ausgebaut, ab- und ausgesaugt, gereinigt und Dellen ausgeklopft.
Am meisten fasziniert mich die Ordnung, die hier herrschen muss. Es sind gefühlt tausende Pfeifen nach einer ganz bestimmten Ordnung auf den Orgelemporen aufgereiht.
Mir als Laiin erscheint einerseits Staub und die Beseitigung dessen, sowie anderseits eine unglaubliche Ordnung große Bedeutung bei einer Orgelsanierung zu haben.
Orgelbau ist ein höchst interessanter Beruf.
Ich möchte ihnen/euch heute eine unserer Orgelbauerin Helena Schüßler vorstellen, die an unserer Orgel mitarbeitet und mit der ich ein kleines Interview machen durfte.
Frau Schüßler, welche Berufsausbildung haben sie?
Ich habe eine Lehre als Orgel- und Harmoniumbauerin abgeschlossen. Ich war die letzte Absolventin dieser Lehre.
Wie sind sie auf Orgelbauerin als Berufswunsch
gekommen? Welche Anknüpfungspunkte gab es?
Ich habe eine Waldorfschule besucht und dort schon mein großes Interesse für‘s Handwerk entdeckt. Schon in der 2. Klasse haben wir große Stücke gebaut/gebastelt. Mit war schon in der Grundschule klar, dass ich ein Handwerk lernen möchte. So habe ich nach der Realschule die Schule verlassen: Schreinerin, war dann die erste Entscheidung. Da ich aber damals keine Lehrstelle finden konnte, überlegte ich weiter.
Durch einen Zufall hörte meine Mutter eines Tages von einer Orgelbauwekstatt. Ich war gleich begeistert vom Beruf des Orgelbauers und so konnte ich im Jahr 2017 ein Praktikum von 2 Wochen antreten. Nach diesen 2 Wochen hat mir mein damaliger Chef eine Lehrstelle in seinem Unternehmen angeboten, die ich gerne annahm.
Spielen sie selbst auch Orgel?
Ich habe ursprünglich Cello gelernt, auch schon in der Waldorfschule und über 10 Jahre lang. Anschließend habe ich Orgelunterricht genommen, leider nur sehr kurz. Dzt. nehme ich, wenn ich zu Hause bin, Klavierunterricht, um mich wieder langsam der Orgel anzunähern.
Es gab ja auch eine Zwischenstation in einem anderen Beruf?
Ich habe nach der Orgellehre noch eine Orthopädie-Mechaniker Lehre angefangen. Ich habe hauptsächlich Beinprothesen gebaut. Das war eine sehr schöne Tätigkeit. Trotzdem hat es mich wieder zurück zur Orgel gezogen.
Wie lang machen sie diesen Beruf jetzt schon?
Seit 2017, mit Beginn der Lehre; seit 2022 habe ich den Gesellenbrief. Seit 2024 arbeite ich bei Andreas Seul.
Ich habe schon beobachtet, als Orgelbauerin darf
einem Schmutz nichts ausmachen und man muss gut Ordnung halten und den Überblick bewahren können!
Was fällt Ihnen schwerer?
Da kann ich schnell antworten: Das Ordnung halten, antwortet Helena lächelnd. Man muss wirklich konzentriert arbeiten, alles gut beschriften und einfach – Ordnung halten.
Was ist das Schönste an ihrem Beruf?
Die Möglichkeit „herzumzukommen“, ich war vor kurzem in Japan und natürlich schon in vielen europäischen Ländern. Es ergibt sich die Möglichkeit, viele Künstler und andere Orgelbaukolleginnen kennen zu lernen.
Die Vielfältigkeit des Berufs und das filigrane Arbeiten, fasziniert sie besonders.
Am Ende unseres Gesprächs überlegt Helena noch zum Thema Vielfältigkeit, welche Kenntnisse aus welchen Berufen notwendig sind, um als Orgelbauerin zu arbeiten:
Malerin, Schreinerin, Schlosserin, Feinmechanikerin, Elektrikerin, Sattlerin ...
Eine sehr interessante junge Frau, die Helena, die früh genug gefördert und gefordert wurde!
Ich freue mich sehr, in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder das Team der Firma Seul, beobachten zu dürfen. Ich werde das Geschehen mit Fotos und vielleicht mit dem ein oder anderen kurzen Bericht dokumentieren.
Es ist mir ein großes Vergnügen, dass ich Zeugin dieser so hochinteressanten Handwerksleistung werden kann.
Helga Denk


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